Kreativer Wandel

Im Alltag leben wir gut eingerichtet in unseren Blasen. Doch hin und wieder geraten die Wände dieser Blasen in Schwingung, manchmal nehmen wir Störungen durch sie hindurch war. Einzelne Menschen und Organisationen reagieren auf solche Irritationen auf zwei Weisen. Die Einen versuchen die  Wände dieser Blasen mit Beton zu verstärken, oder sie kleben einzelne Risse provisorisch zu. Dadurch halten sie ihre Umwelt auf Distanz. Der zweite Ansatz wäre, vorsichtig nachzuschauen, was draußen vorgeht und sich somit den Veränderungen etwas zu öffnen. Man kann ein kleines Loch bohren und beobachten was gerade passiert, oder die Tür öffnen und mit der Umgebung in den Austausch treten.

Dieser letzte genannte Ansatz ist eine elementare Bedingung für Kreativität. Kreativität entsteht aus Spannung, aus dem inneren Drang altbekannte Denkweisen oder Handlungen zu hinterfragen – oder weil die Außenwelt und motiviert dies zu tun. Sie ist die Fähigkeit, die uns hilft, die Impulse und die Informationsvielfalt um uns herum wahrzunehmen und zu verarbeiten. Sie ermöglicht uns, Verbindungen zu knüpfen, neue Lösungen für ein Problem zu finden, oder zu einem besseren Verständnis eines Problems zu gelangen.

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Kreativität beinhaltet eine aktive Komponente. Das lateinische ‚creare‘ bedeutet, etwas zu erschaffen. So kann man schlussfolgern, dass kreative Personen, Gruppen oder Organisationen die Fähigkeiten besitzen, ihre Umgebung aktiv mitzugestalten, sich selbst hin und wieder neu zu erfinden oder mit der Welt außerhalb der inneren vertrauten Strukturen ihrer Organisationen in einen sinnvollen, zielgerichteten und offenen Dialog zu treten.

Kreative Kompetenz

Es sind immer die Menschen, Neues und ungewohntes Denken praktizieren. Auf ihre kreative Kompetenz zurückgreifen zu können ist in einer zunehmend verflochtenen und vernetzten Welt essenziell für Organisationen, die durch gesellschaftliches Engagement Wirkung anstreben oder zu Veränderung beitragen wollen. Die Hauptfrage für Organisationen im kreativen Wandel ist, ob es ihnen gelingt, das kreative Potenzial in ihnen zu aktivieren.

Organisationen, Methoden und Führung können zwar günstige Rahmenbedingungen schaffen, es kommt aber auf die beteiligten Personen an, Sinn in Veränderung zu sehen und Lust auf Veränderung zu entwickeln. In erster Linie befähigen und ermöglichen kreative Räume Menschen und Organisationen.

Die Fähigkeit eines Menschen, etwas Neues zu beginnen, ist nicht das Privileg einiger Begabter oder Privilegierter. Die Vorstellung von ‚Kreativität für alle‘ ist vielmehr ein Grundelement demokratischer Resilienz. Für die Partizipation größerer Bevölkerungsteile benötigt eine Gesellschaft viele verschiedene Räume, in denen Einzelne ihr kreatives Potenzial entdecken und entfalten können.

Kreativräume und Fenster für Möglichkeiten

Kreative Kommunen, kreative Verwaltung oder kreative Organisationen können Kreativität fördern, wenn sie ihre Umwelt aufmerksam und mit Neugierde beobachten, statt sie vorrangig als Störung ihrer bewährten Abläufe zu betrachten. So schaffen sie Schnittstellen zu den sie umgebenden Teilumwelten und ermöglichen sinnvolle Kommunikation nach innen und außen. Zudem können sie Räume für die Ideenentwicklung und zum Experimentieren schaffen und den Menschen in diesen Räumen ermöglichen, Erfahrungen zusammenzubringen und neue Lösungen voranzutreiben.

Methoden wie Creative Prototyping, Design Thinking oder Elemente von Gamification können sie dabei unterstützen. Diesen Methoden ist gemein, dass sie einen divergenten, die Neugierde anregenden Denkstil mit einer konvergenten Denkweise zusammenführen, die durch stringente Wege der Lösungsfindung geprägt ist. Oft gehen diese Methoden Probleme experimentell an. Sie arbeiten prototypisch an möglichen Lösungen, reflektieren diese dann aus Nutzer- und Bedürfnissicht und gelangen im Folgenden iterativ zu neuen Lösungen. Ihre Arbeitsweise ist eher horizontal als hierarchisch. So können sie soziale Vielfalt und verschiedene Betrachtungsweisen auf ein Problem konstruktiv in einen kreativen Prozess einbinden. Kreative Organisationen sind Organisationen, die Vielfalt schätzen und mit ihr umzugehen wissen.

Bei der Gestaltung erfolgreicher kreativer Prozesse in der demokratischen Öffentlichkeit, in einem Seminarraum oder in Organisationen spielen deshalb viele Dinge eine Rolle und müssen in Balance gebracht werden: Verschiedene Motivationen, die Möglichkeit zu divergentem und konvergenten Denken, ein anregendes Setting und eine diversitätsbewusste Moderation dieser Prozesse.

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