{"id":2939,"date":"2022-07-25T11:55:53","date_gmt":"2022-07-25T09:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/civilresilience.net\/de\/?p=2939"},"modified":"2022-12-05T22:28:09","modified_gmt":"2022-12-05T21:28:09","slug":"medienpaedagogische-perspektiven-fuer-die-digitale-gesellschaft-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/civilresilience.net\/de\/medienpaedagogische-perspektiven-fuer-die-digitale-gesellschaft-rezension\/","title":{"rendered":"Zwischen Utopie und Dystopie &#8211; Rezension"},"content":{"rendered":"\n<p>Angelika Beranek\/Sebastian Ring\/Martina Schuegraf (Hrsg.): Zwischen Utopie und Dystopie. Medienp\u00e4dagogische Perspektiven f\u00fcr die digitale Gesellschaft. M\u00fcnchen 2020, Schriften zur Medienp\u00e4dagogik 56, kopaed Verlag, 156 Seiten. Erschienen in: <a href=\"https:\/\/fachzeitschrift.adb.de\/ausgabe\/utopien\/\">Au\u00dferschulische Bildung &#8211; Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung <\/a>02\/2022. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Band vereint Beitr\u00e4ge unterschiedlicher Form und Qualit\u00e4t. Die Rezension fokussiert auf konzeptionelle Anregungen f\u00fcr die Medienp\u00e4dagogik. Angelika Beranek und Sebastian Rink besch\u00e4ftigen sich mit den Narrativen \u00fcber Technologie, etwa in Filmen, die deutlich nicht der realen Entwicklung entsprechen. Sie fordern f\u00fcr die Medienp\u00e4dagogik mehr Theorieleitung und normative Setzung. Wie kann normative Setzung und Theoriebildung so geschehen, dass sie nicht in einem blo\u00dfen ja oder nein zur Digitalisierung endet? <\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard Tulodziecki geht hier einen Schritt weiter, indem er verlangt, dass Medienp\u00e4dagogik die \u201ehinter dem \u201amedialen Interface\u2018\u201c liegenden Konzepte in den Blick nehmen m\u00fcsse. Von der Medienp\u00e4dagogik fordert er einen umfassenden Blick auf KI. Man m\u00fcsse ein humanistisches Weltbild bewahren, aber: \u201eAllerdings sollte der Leitgedanke des gesellschaftlich handlungsf\u00e4higen Subjekts nicht als geschlossenes universalistisches Konzept, sondern als offener Entwurf verstanden werden, der es notwendig macht, sich \u00fcber das w\u00fcnschenswerte Verh\u00e4ltnis von Mensch und Maschine im Diskurs zu verst\u00e4ndigen und dieses in humanistischer Weise zu gestalten \u2013 bei aller Unbestimmtheit und Unsicherheit und allen \u00f6konomischen Widerst\u00e4nden zum Trotz.\u201c (S. 45) \u201eEine unreflektierte Vermischung von Normen mit empirischen Aussagen\u201c m\u00fcsse vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Geisslers Aufmerksamkeit und Werben gilt dem Potenzial des (digitalen) Spiels f\u00fcr die Entwicklung Lernender als homo ludens, gerade in Zeiten, in denen Lernende ihre Spielerfahrung vorrangig in  daten\u00f6konomisch determinierten Game-R\u00e4umen machen. Roland Poellinger, Karina Fink-Gaudernak und Mareike Post berichteten in ihrem Beitrag \u00fcber die M\u00fcnchner Stadtbibliothek. Von Relevanz f\u00fcr das Thema ist ein Game-Schwerpunkt. Originell ist der Gedanke, dass Bibliotheken zusammen mit der Stadtgesellschaft gerade lokale Inhalte und kulturelle G\u00fcter digital unterst\u00fctzt erschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Maya G\u00f6tz berichtet aus einer Studie zur Selbstinszenierung von M\u00e4dchen auf Instagram. Die Forscher*innen bemerken eine zunehmende Normierung der Fotos: \u201eWas bleibt, ist eine Maskerade,  neoliberal und postfeministisch.\u201c (S. 125) Die ebenfalls in Instagram pr\u00e4senten Gegeninszenierungen haben es in dieser Zielgruppe schwer (z. B. #bodypositivity). G\u00f6tz kritisiert eine Medienp\u00e4dagogik nach dem Motto \u201ewir wertsch\u00e4tzen ihre Kreativit\u00e4t und verlassen uns darauf, dass Medienhandeln quasi wie von selbst Medienkompetenz\u201c nach sich ziehe. Sie fordert die Einbindung des Themas Identit\u00e4t, das Erlernen psychologischer Reflexions- und Bew\u00e4ltigungsstrategien und das Thematisieren der realen Vielfalt von Sch\u00f6nheits- und K\u00f6rperbildern. <\/p>\n\n\n\n<p>Kerstin Heinemann stellt Fragen an die Digitalisierung aus christlich-theologischer Perspektive. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Beitrag von Christopher Bechtold, Bj\u00f6rn Friedrich, Markus Gerstmann und Gerda Sieben ist ihre aus der Praxis kommende Einsch\u00e4tzung der digitalen Kompetenz Jugendlicher hervorzuheben. Jugendliche w\u00fcnschten mehr Unterst\u00fctzung, \u201edie komplexe Welt hinter der Oberfl\u00e4che zu verstehen\u201c, wenn ihnen bewusst wird, wie Datenfluss und Datenanalyse ihre kulturelle Praxis beeinflusse. Martina Schuegraf liefert einen Beitrag \u00fcber Hochschulen der Zukunft und hofft wohl, dass die Digitalisierung die Strukturen h\u00f6herer Bildung aufbrechen m\u00f6ge. <\/p>\n\n\n\n<p>Franz Josef R\u00f6ll schlie\u00dflich, obwohl im Sammelband weit vorne, wird hier am Ende besprochen, weil er den Beitrag beisteuert, der das Ger\u00fcst f\u00fcr eine transformative Medienp\u00e4dagogik anbietet. Er leitet aus der zu erwartenden Algorithmisierung unserer Gesellschaft und der Verschiebung eines anthropozentrischen Weltbildes hin zu einer objektorientierten Onthologie die F\u00e4higkeiten ab, die Menschen auszeichnen und in der Transformation ben\u00f6tigen. Diese \u00e4hneln \u00e4hnlichen Ans\u00e4tzen von transformativen Kompetenzen, wie etwa den transformative competencies der OECD. Sein Lernkonzept ist transversales Lernen (nach Welsch): \u201eTransversales Lernen bedeutet eine allgemeine Denkund Gestaltungsform, die Bef\u00e4higung zum interdisziplin\u00e4ren, bereichs\u00fcbergreifenden Denken, bei dem sowohl multioptionales, polykontextuales, transmediales und holistisches als auch strukturell vernetztes Denken gef\u00f6rdert wird.\u201c (S. 27) (Medien)p\u00e4dagoginnen sollen sich als \u201eNavigatorinnen\u201c in einem stark von Lernenden gesteuerten Lernprozess und als Mit-Lernende begreifen. In Konsequenz lautet der Ansatz: Bildung der Navigation. In Anerkennung, dass digital und analog nicht bin\u00e4r zueinanderstehen, sondern sich durchdringende Formen sind, spricht R\u00f6ll konsequenterweise f\u00fcr hybride Lernr\u00e4ume: Third spaces, die eine Schnittstelle schaffen und Menschen als vernetzte Wesen ernst nehmen, indem sie ihnen Lernnetzwerke er\u00f6ffnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Band benennt einige Ansatzpunkte f\u00fcr die Medienp\u00e4dagogik. Das Lernen \u00fcber KI, die Prozesse unter der Oberfl\u00e4che der Hardware oder die speziellen (gemeinwohlorientierten wie kommerziellen) Wertsch\u00f6pfungslogiken hinter einer KI verlangen mehr Expertise, wie auch Bewusstsein von Medienp\u00e4dagog*innen f\u00fcr den Unterschied zwischen kritischer Analyse und analytisch verpacktem<br>Werturteil. Inszenierung, Messen und das digitale Selbst m\u00fcssen in kompetenzorientierte Lernprozesse \u00fcber das Digitale integriert werden \u2013 sie betreffen fast alle Menschen. Eine auf &#8222;play&#8220; und Erforschung aufbauende P\u00e4dagogik des digitalen Spielens kann Mechanismen des angewandten Behaviorismus in und au\u00dferhalb des Game-Kontextes sichtbar machen. Die Auseinandersetzung mit Bildern der Digitalisierung hat ein gr\u00f6\u00dferes Potenzial als uns nur emotional anzuregen oder abzuschrecken. Innovative Lernorte sind die, die analog und digital verkn\u00fcpfen, in denen Digitalisierung einen sozialen Mehrwert erm\u00f6glicht und den Lernprozess bereichert. NEZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angelika Beranek\/Sebastian Ring\/Martina Schuegraf (Hrsg.): Zwischen Utopie und Dystopie. Medienp\u00e4dagogische Perspektiven f\u00fcr die digitale Gesellschaft. M\u00fcnchen 2020, Schriften zur Medienp\u00e4dagogik 56, kopaed Verlag, 156 Seiten. Erschienen in: Au\u00dferschulische Bildung &#8211; Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung 02\/2022. Der Band vereint Beitr\u00e4ge unterschiedlicher Form und Qualit\u00e4t. Die Rezension fokussiert auf konzeptionelle Anregungen f\u00fcr die Medienp\u00e4dagogik. 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