{"id":1344,"date":"2019-05-20T07:14:19","date_gmt":"2019-05-20T07:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/civilresilience.net\/?p=1344"},"modified":"2024-04-16T08:42:54","modified_gmt":"2024-04-16T06:42:54","slug":"commons-als-politische-vision","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/civilresilience.net\/en\/commons-als-politische-vision\/","title":{"rendered":"Urban Commons als politische Vision der Mitgestaltung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Commons \u2013 im Deutschen Gemeing\u00fcter \u2013 sind G\u00fcter oder Produkte, die Menschen gemeinsam mit anderen erschlie\u00dfen, bewirtschaften, nutzen, teilen und erhalten. Typische Commons sind etwa die Allmende oder eine Raiffeisen-Genossenschaft, in der Landwirte sich zusammengeschlossen haben um ihre Produktionsmittel gemeinsam zu nutzen. Die Gemeinschaft der Miteigent\u00fcmer oder die Gemeinschaft der Nutzer k\u00fcmmert sich hier darum, dass G\u00fcter und Ressourcen zum Wohle Aller eingesetzt werden k\u00f6nnen. Obwohl das eher nach Trecker und Gummistiefel klingt, sind Commons gerade f\u00fcr viele st\u00e4dtische Initiativen und Institutionen zu einem gesellschaftlichen Leitbegriff geworden. In der Politik hingegen sind Commons noch ein Nischenthema. Dabei wollen beide, fortschrittliche Politik und Urban Commons, die Gesellschaft sozial und nachhaltig ver\u00e4ndern. Was sind die Potenziale der politisch-zivilgesellschaftlichen Kooperation \u00e0 la Commons?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung, dass Menschen ideenorientiert, sozial und gemeinschaftlich produzieren und sich organisieren k\u00f6nnen, war lange nicht sehr popul\u00e4r. Es herrschte eine Sicht auf Kooperativen, Initiativen oder selbstverwaltete Werkst\u00e4tten vor, die der Buchtitel &#8220;Tragik der Allmende&#8221; (Tragedy of the Commons) anschaulich beschreibt. Wirtschaftswissenschaftler dozierten, dass einzelne Menschen gemeinschaftliche Strukturen und Benefits ausnutzten und dies regelm\u00e4\u00dfig zu Lasten der gemeinschaftlich aufgebauten Substanz tun. Politiker riefen die Ruck-Gesellschaft aus und forderten den Einzelnen auf die eigene Leistungsbereitschaft zu erh\u00f6hen. Menschen, die sich f\u00fcr andere einsetzen oder sich gemeinschaftlich organisieren oder auch gemeinsam wirtschaften, hat es auch damals gegeben. Nur wurde ihnen eigentlich immer erkl\u00e4rt, warum das, was sie machen, nicht \u00fcber ihren kleinen Kreis hinaus funktionieren kann. Die sp\u00e4tere Nobelpreistr\u00e4gerin Elinor Ostr\u00f6m ging das Thema anders an. Sie hat untersucht, wie <em>Gemeing\u00fcter<\/em> <em>(common-pool resources)<\/em> gemeinwohlorientiert und sozial erschlossen, bewirtschaftet oder verbreitet werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Commons sind ja nicht nur Produkte oder Produktionsmittel. Neben der Outputleistung gilt es auch, auf ihre Inputseite zu schauen. Dann entdeckt man, dass Commons-Projekte sich nicht nur mit Ressourcen besch\u00e4ftigen oder etwas produzieren. Sie sind auch ein Raum f\u00fcr gemeinsames Handeln, ein Lernraum und eine von Regeln und Prinzipien geformte soziale Struktur.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfolgreiche Commons-Projekte schaffen somit einen <em>Raum <\/em>und eine <em>Governance<\/em>, innerhalb derer es Menschen auch in einer auf Wettbewerb und individuellem Profit ausgerichteten Gesellschaft &#8220;drau\u00dfen&#8221; m\u00f6glich ist, ihre sozialen und nachhaltig orientierten Neigungen zu st\u00e4rken. Von der gesellschaftlichen Perspektive aus betrachtet und im Geiste kommunitaristischen Denkens  liegt der Mehrwert von Commons in diesem <em>Commoning als soziale Praxis<\/em> oder in anderen Worten im <em>gemeinwohlorientierten Engagement<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fcter liefern oder produzieren k\u00f6nnen schlie\u00dflich auch nicht gemeinwohlorientierte Produzenten. Aber in Commons entsteht zus\u00e4tzlich der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenh\u00e4lt. Einfach gesagt: Ein offenes und selbstverwaltetes Atelierhaus macht etwas mit den beteiligten K\u00fcnstlern. Ihre Zusammenarbeit bringt sie weiter, entwickelt ihre F\u00e4higkeiten zu Beteiligung und Co-Management und ihre Haltung zu anderen wird insgesamt kooperativer. Aber nat\u00fcrlich stellen auch Galeristen Kunst aus, allerdings ohne diese sozialen (Neben-?)Effekte. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Transformative Kraft der Commons<\/h2>\n\n\n\n<p>Ostr\u00f6ms Untersuchungen und ihre Rezeption in alternativen Kreisen waren ein Signal f\u00fcr neue Forschungsperspektiven und f\u00fcr viele Projekte und Engagierte. Sie wussten es ja immer besser &#8211; dass solidarische Initiativen und Teilen m\u00f6glich und erfolgreich sein k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem leitet Viele die Erkenntnis, dass die sozial-\u00f6kologische Transition zu einer Gesellschaft, die auf anderen Wachstumsbegriffen, globaler Fairness oder \u00f6kologischer Nachhaltigkeit beruht, nur gelingen kann, wenn andere Modelle des Wirtschaftens und Zusammenarbeitens gefunden und gelebt werden. Commons sind eine Organisationsform, in der man diese Modelle testen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>So sehen immer mehr b\u00fcrgerschaftlich Engagierte im Begriff der Commons eine Erg\u00e4nzung oder Domestizierung des kapitalistischen Modells. Oft verstehen sie sich mit ihrem kleinen lokalen Engagement als  Teil einer<em> informellen Commons-Bewegung<\/em>. Urban Gardening, Creative Commons, Open Educational Resources, Tauschnetze, MakerLabs oder RepairCafes sind Beispiele daf\u00fcr. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commons als Kultur<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-700x1057.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1366\" width=\"525\" height=\"793\" srcset=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-700x1057.jpg 700w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-265x400.jpg 265w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-768x1160.jpg 768w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-800x1208.jpg 800w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-artist-1-1356x2048.jpg 1356w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption>Berlin, Sch\u00f6nhauser Allee | F: Civil Resilience<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Alternative Formen der Zusammenarbeit bringen ein anderes Verst\u00e4ndnis von Schaffen mit sich. Deshalb \u00f6ffnen sich gerade auch immer mehr K\u00fcnstler*innen und Kulturorte der Idee \u2013 etwa um R\u00e4ume f\u00fcr unabh\u00e4ngige, gemeinwohlorientierte kulturelle Praxis zu schaffen oder um sich mit ihrer Arbeit in die Stadtgesellschaft zu \u00f6ffnen oder um ihre Arbeit f\u00fcr Empowerments nutzbar zu machen oder ihre Kunst in Beziehung zu ihnen wichtigen gesellschaftlichen Gruppen zu setzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Commons-Projekte sind oft sehr geschickt darin, im ansonsten durch die Gesetze des Marktes bestimmten st\u00e4dtischen Raum neben den \u00fcblichen Raum- und Immobilienverwertern zu bestehen. Sie erschlie\u00dfen neue R\u00e4ume f\u00fcr das Gemeinwohl oft durch Zwischennutzungen oder unkonventionelle Nutzungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Botschaft ist, dass eine Kultur der Kooperation und der Ko-Kreation auch in den von Nutzungskonflikten und Kapitalinteressen in Beschlag genommenen urbanen R\u00e4umen m\u00f6glich ist. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px;text-align:center\"><em>Ihre St\u00e4rke liegt darin, Mitgestaltung und (Self-)empowerment konkret umzusetzen. So treten sie Staat, Politik und Wirtschaft gegen\u00fcber nicht als Teilnehmende (etwa in  Beteiligungsverfahren) oder Kunden (in \u00c4mtern oder Unternehmen), sondern als zivilgesellschaftliche Partner gegen\u00fcber.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">B\u00fcrgerschaftliches Engagement und Commons<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu den Begriffen &#8220;freiwilliges Engagement&#8221; oder &#8220;b\u00fcrgerschaftliches Engagement&#8221; scheint mehr in Commons zu stecken. Es ist dies die Betonung der aktiven Komponente &#8211; des <em>Kreierens und Machens als co-creator<\/em>, wie es etwa das <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"CommonsLab (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/commonslab.de\/\" target=\"_blank\">CommonsLab<\/a> in Berlin Neuk\u00f6lln in seinen Inhalten und seiner Darstellung vor Augen f\u00fchrt. Ganz sch\u00f6n hipsterig, k\u00f6nnte man meinen, aber es steckt eben mehr dahinter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative &#8220;Stadt neu denken&#8221; ist ebenfalls inspiriert vom Commons-Gedanken. Mit dem <a href=\"https:\/\/hausderstatistik.org\/\">Haus der Statistik<\/a>  am Alexanderplatz Berlin will es in Kooperation mit verschiedenen Akteuren und dem Bezirksamt Mitte einen <em>&#8220;R\u00e4ume f\u00fcr Kultur, Bildung und Soziales&#8221;<\/em> schaffen, <em>&#8220;gemeinwohlorientiert und kooperativ.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Prinzessinnen-G\u00e4rten beschreiben den urbanen Garten als <em>&#8220;sozialen Humus&#8221;<\/em>. Auch das Himmelbeet in Berlin-Wedding sieht sich als Commons. Beide haben ein <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Urban Gardening Manifest (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/urbangardeningmanifest.de\/\" target=\"_blank\">Urban Gardening Manifest<\/a> unterschrieben: <em>&#8220;T\u00e4glich erfahren wir, wie wichtig ein frei zug\u00e4nglicher \u00f6ffentlicher Raum ohne Konsumzwang f\u00fcr eine demokratische und plurale Stadtgesellschaft ist.&#8221;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Viele K\u00fcnstler und Initiativen im sozialen Bereich betrachten Urban Commons als das geeignete semantische Framing f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten. Sie spielen oft in den Debatten um die organisierte Zivilgesellschaft und um Engagementstrategien keine Rolle, pr\u00e4gen aber die Stadtgesellschaft immer mehr. Gerade denjenigen, die aus dem nicht-deutschen Kontext kommen, ist der Begriff der Commons sehr gel\u00e4ufig.    <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"464\" src=\"http:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-700x464.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1369\" srcset=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-700x464.jpg 700w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-400x265.jpg 400w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-768x509.jpg 768w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-800x530.jpg 800w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/make-city-1536x1017.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>Berlin, Abenteuerspielplatz Stadt der Kinder | F: Civil Resilience<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Commons und die Politik<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Attraktivit\u00e4t der Commons ist  aus der Gesellschaft heraus gewachsen, eng verkn\u00fcpft mit den Ideen von Nachhaltigkeit, sozialer Transformation und aktiver B\u00fcrgerschaft. Insbesondere die gr\u00fcnennahe <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"B\u00f6ll-Stiftung (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/ Beteiligung eigenverantwortlich erm\u00f6glichen (also nicht durch Einladungen zu formalisierter B\u00fcrgerbeteiligung, die ja auch wichtig ist, aber hier nicht gemeint ist).  durch die Schaffung von einfach zu nutzenden Schnittstellen zwischen (in commons oirganisierten) B\u00fcrgern und Staat.\" target=\"_blank\">B\u00f6ll-Stiftung<\/a> wie auch die <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"European Green Foundation (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.greeneuropeanjournal.eu\/edition\/finding-common-ground\/\" target=\"_blank\">European Green Foundation<\/a> zeigen hieran Interesse. Die B\u00f6ll-Stiftung hat mehrere in diesem Sinne missionarische Sammelb\u00e4nde herausgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzelne St\u00e4dte finden den Gedanken starker Urban Commons Institutionen in einer <em>partnerschaftlichen gemeinwohlorientierten und nachhaltigen Stadt<\/em> ebenfalls interessant. Wenn aus sozialer Perspektive hinter Commons ein kommunitaristisch gepr\u00e4gtes Weltbild steht, steht politisch hinter dem Begriff ein <em>partnerschaftlich geformter partizipatorischer Politikbegriff<\/em>, der die eigene zu gro\u00dfen Teilen etatistische Sicht auf die Welt durch eine horizontale Dimension der Kooperation erweitert. Im Sinne Gramscis und der Tocquevilleschen Vorstellung von Zivilgesellschaft wird sich so auch die politische Kultur ver\u00e4ndern, also die Art und Weise wir B\u00fcrger miteinander und mit dem Staat interagieren. Zudem kann man Commons als eine M\u00f6glichkeit sehen, das Potenzial, das im einzlnen B\u00fcrger steckt, f\u00fcr die Gesellschaft zu aktivieren. So entstehen aus Commons vielleicht neue Denkweisen, Ans\u00e4tze, Produkte, L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu den Nuller Jahren, in denen man ebenfalls neue Partnerschaften erproben wollte, ist hier nicht der Gedanke des schlanken Staats und der politischen Deregulierung leitend. Es geht nicht mehr um Einsparungen, sondern um die Koproduktion sozialen Kitts, sozialen Kapitals und auch um alternative Wachstumspfade. <\/p>\n\n\n\n<p>Commons sind wirtschaftlich gesehen zwar Kleinvieh, aber dieses bringt in seiner Summe eben auch Arbeit und hat andere positive Effekte. Die Commons-Vordenker Dirk Holemans und Kati Van de Velde haben das f\u00fcr die Green European Foundation beschrieben: <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px;text-align:center\"><em>&#8220;In recent years, we have seen some cities move one step further as they develop specific structures and processes that, in a thoughtful manner, aim at building synergies between the public and the commons domain. They transform themselves into a so-called enabling or Partner State. In this new perspective, politicians do not&nbsp; see their political constituency as a territory to manage from above, but as a community of citizens with a lot of experience and creativity. So instead of top-down politics, they develop forms of&nbsp; co-creation and co-production.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">Holemans\/Van de Velde:<br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gef.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/GEF_Article_Urban-Commons_Dirk.pdf\" target=\"_blank\">Creating Socio-ecological Societies <\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gef.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/GEF_Article_Urban-Commons_Dirk.pdf\" target=\"_blank\">through Urban Commons Transitions<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Zwei Beispiele f\u00fcr St\u00e4dte, die sich des Gedankens detaillierter annehmen sind <em>Bologna <\/em>und <em>Ghent<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"http:\/\/www.comune.bologna.it\/media\/files\/bolognaregulation.pdf\">Die Commons Regulierung in Bologna<\/a> von <a href=\"https:\/\/labgov.city\/\">https:\/\/labgov.city\/<\/a> und Christopher Iaione soll die Kommunikation und Kooperation zwischen B\u00fcrger und Staat vereinfachen und verbessern.<\/li><li><a href=\"https:\/\/stad.gent\/sites\/default\/files\/page\/documents\/Commons%20Transition%20Plan%20-%20under%20revision.pdf\">Der Commons Transition Plan von Ghent<\/a>, entwickelt von Michael Bauwens beschreibt, wie Commons als kommunale Partner neben Wirtschaft und Politik gedacht und gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnen, etwa durch einen Rat der Commons.      <\/li><li>Auch in Barcelona oder Neapel wird \u00fcber Commons auf Stadtebene         nachgedacht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Politische Kritik an Commons<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus politischer Perspektive gibt es gute Gr\u00fcnde, der Idee auch kritisch gegen\u00fcberzustehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Prinzipiell kann man sich am Missionarischen einiger Commons-Apologeten st\u00f6ren. Diese meinen in Commons ein auf den Staat skalierbares kommunitaristisches <em>Gegenmodell <\/em>gefunden zu haben. Man hat gar manchmal den Eindruck, die Politikferne oder Staatskritik mancher Commons-Freunde bringt diese ihren Gegnern recht nahe \u2013 marktorientierten  Vertretern sozialer Transformation. So stellt sich also die Frage, inwieweit Commons in der Lage sind, in ihrer Art g\u00e4nzlich andere Strukturen herauszubilden, die multiple Interessenkonflikte und politische Dilemmata besser moderieren oder l\u00f6sen k\u00f6nnen als das bisherige Modell der Demokratie und Verwaltung oder als es ein deregulierter neoliberaler Staat tun kann. Viele Ans\u00e4tze in der Commonsforschung liefern hier Postulate aber wenig Daten. Das bedeutet nun aber nicht, dass Politik und Verwaltung nicht dennoch aus Commons-Experimenten und Praktiken eigene Schl\u00fcsse ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz praktisch stellt sich auch die Frage der <em>Skalierbarkeit<\/em> und<em> Resilienz<\/em> von Commons-Projekten. Insbesondere, wenn sie <em>systemisch relevante Teile der urbanen Infrastruktur<\/em> werden sollen, diese mitentwickeln und mitverwalten sollen, gibt es erh\u00f6hte Anforderungen als an Projekte, die in einer Nische gedeihen. Wie zuverl\u00e4ssig  und ausbaubar sind etwa Peer-to-Peer-Ans\u00e4tze?<\/p>\n\n\n\n<p>Desweiteren sind viele Urban Commons hybrid organisiert. Manche besitzen etwa einen marktkompatiblen Teil (z. B. eine GmbH) und einen gemeinn\u00fctzigen Teil (z.B. einen e.V.), andere sind gGmbHs oder Genossenschaften. Umso wichtiger ist, dass sie darlegen k\u00f6nnen, dass der <em>gemeinn\u00fctzige Anteil an ihren Aktivit\u00e4ten \u00fcberwiegt<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit der <em>Vielfalt der pluralen Gesellschaft und Diversit\u00e4t<\/em> haben Projekte, die auf Gemeinschaft ausgerichtet sind, manchmal mehr Probleme als lose Netzwerke mit vielen offenen Schnittstellen und Ankn\u00fcpfungspunkten f\u00fcr verschiedene B\u00fcrger*innen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem wird Ko-Kreation nicht immer nur von der Politik verhindert, wie viele Commons meinen. Allzu oft vertr\u00e4gt sich politisches Desinteresse auf ihrer Seite nicht mit dem Wunsch nach politisch-zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit. Andersherum verstehen Politkerinnen und Politiker oft aber auch nicht, welchen Mehrwert diese \u00d6kos oder Projektmenschen ihnen und ihrer Stadt erm\u00f6glichen und warum sie auch noch recht selbstbewusst auf Partnerschaft dr\u00e4ngen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dies sind Haltungs-, Verst\u00e4ndnis- und sprachliche Fragen auf beiden Seiten \u2013 Kooperation ben\u00f6tigt guten Willen, Verstehen der Ziele und Denkweisen des Anderen sowie die F\u00e4higkeit, sich verst\u00e4ndlich zu machen. <br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Commons on the Ground<\/h2>\n\n\n\n<p>Parteien und Verwaltungen k\u00f6nnen Schritte unternehmen und sich mit dem Vokabular und den Spezifika von Urban Commons auseinandersetzen. Gut w\u00e4re es, wenn Commons dabei als <em>Teil partizipativer Stadtentwicklung <\/em>betrachtet w\u00fcrden und als <em>Produzenten von sozialem, kulturellem und durchaus auch von \u00f6konomischen Kapital<\/em>. Nicht zuletzt besteht die St\u00e4rke vieler Commonsprojekte in ihrer F\u00e4higkeit, es mit den Marktkr\u00e4ften aufnehmen zu k\u00f6nnen. Gerade in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten zeugen viele Projekte davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es darum geht, zu \u00fcberlegen, wie <em>commons-freundliche politische \u00d6kosysteme <\/em>gestaltet werden k\u00f6nnen, muss man die hier beschriebenen Potenziale und Utopien in <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>konkrete Schnittstellen, <\/li><li>konkrete Governance oder <\/li><li>konkrete Angebote <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>umformen. Sehr wahrscheinlich wird durch gemeinsames Handeln die Perspektive auf &#8220;die Zivilgesellschaft&#8221; oder &#8220;die B\u00fcrger&#8221; ver\u00e4ndert. Viele Ans\u00e4tze der Beteiligung und des politisch-zivilgesellschaftlichen Dialogs sind bereits commons-kompatibel und k\u00f6nnen g\u00fcnstig und einfach angepasst werden. Besonders wird die Bereitschaft und M\u00f6glichkeit zu modellhaften und iterativem Handeln dies bef\u00f6rdern. Welche Arten der Vernetzung und der Kooperation w\u00e4ren da zu entwickeln? <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wir k\u00f6nnen \u00fcber Bologna-<em>Regulierungen<\/em> nachdenken, die es Commons einfacher machen, \u00f6ffentliche R\u00e4ume mitzugestalten. <\/li><li>Man kann dem Wert von <em>Vernetzungen der Commons<\/em> \u00e0 la Ghent nachsp\u00fcren &#8211; Commons-R\u00e4te oder ein kommunales Commons-Netz, die gerade auch Orte f\u00fcr neuen Ideen und Vernetzung untereinander sein k\u00f6nnen (und so gerade nicht der Logik klassischer Beir\u00e4te folgen) . <\/li><li>Bei der <em>F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung von Commons <\/em>muss es nicht nur um die Bereitstellung von Immobilien oder Grundst\u00fccken gehen und auch nicht allein um Projektf\u00f6rderung. Weil das Ziel ja ist, dass Commons Projekte qualitativ hochwertige Partizipation erm\u00f6glichen, w\u00e4re gerade hier auch Hilfe zum <em>Capacity Building<\/em> in Form von Unterst\u00fctzung von Bildung und Organisationsentwicklung sinnvoll.<\/li><li>Auch mehr Anstrengungen, diese Projekte <em>sichtbar zu machen<\/em>, helfen ihnen \u2013 warum nicht einen lokalen Commons-Atlas erstellen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Und vor allem: Beginnen wir den Dialog zwischen Politiker*innen , Verwaltungsspitzen und Amtstr\u00e4ger*innen \u00fcber das, was beide verbindet: Gemeing\u00fcter verwalten, soziale R\u00e4ume mitgestalten, Partizipation erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-700x1057.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1371\" width=\"525\" height=\"793\" srcset=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-700x1057.jpg 700w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-265x400.jpg 265w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-768x1160.jpg 768w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-800x1208.jpg 800w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/urban-gardening-1356x2048.jpg 1356w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption>Berlin, Zola_Garten Linienstr\/Zolastr. | F: Civil Resilience<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Commons \u2013 im Deutschen Gemeing\u00fcter \u2013 sind G\u00fcter oder Produkte, die Menschen gemeinsam mit anderen erschlie\u00dfen, bewirtschaften, nutzen, teilen und erhalten. 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