{"id":3093,"date":"2022-12-05T22:38:57","date_gmt":"2022-12-05T21:38:57","guid":{"rendered":"https:\/\/civilresilience.net\/de\/?p=3093"},"modified":"2023-02-19T17:21:32","modified_gmt":"2023-02-19T16:21:32","slug":"bildung-und-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/civilresilience.net\/en\/bildung-und-digitalisierung\/","title":{"rendered":"Bildung und Digitalisierung \u2013 Rezension"},"content":{"rendered":"\n<p>Christine Tr\u00fcltzsch-Wijnen\/Gerhard Brandhofer (Hrsg.): Bildung und Digitalisierung. Auf der Suche nach Kompetenzen und Performanzen. Baden-Baden 2020, Reihe Medienp\u00e4dagogik, Band 4, Nomos, 330 Seiten. Erschienen in: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.adb.de\/content\/zeitschrift-ausserschulische-bildung-ausgabe-4-2022\" target=\"_blank\">Au\u00dferschulische Bildung &#8211; Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung<\/a> 04\/2022<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das immer Gleiche?\u201c Als Antwort auf die Frage erkl\u00e4rt der Sammelband den Anspruch, das Thema Bildung und Digitalisierung \u201emultiperspektivisch zu betrachten und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit konkreten Beispielen und Berichten aus der medienp\u00e4dagogischen Praxis zu verbinden.\u201c Eine verbindende Klammer der unterschiedlichen Beitr\u00e4ge ist der Fokus auf Performanz. Hier gehe ich auf die Beitr\u00e4ge ein, denen dies besonders gelingt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen der digitalen Transformation sind dies besonders solche, die sich weniger zur Selbstvergewisserung auf die Traditionsbest\u00e4nde deutscher Medienp\u00e4dagogik st\u00fctzen, oder die, die ins Apologetische verfallen, sondern die, die uns durch eigene Forschung und vor allem Empirie zu neuen Erkenntnissen oder Fragestellungen verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Fragestellung in Gesellschaft und Forschung ist aktuell, was eigentlich digitale Kompetenzen in einer Zeit ubiquit\u00e4ren Rechnens, der (globalen) Plattformisierung und der Datafizierung des gesellschaftlichen Lebens sind. Der europ\u00e4ische DigComp Kompetenzrahmen wurde 2021\/2022 \u00fcberarbeitet und wird Impulse in nationale Rahmen und Kompetenzvorstellungen tragen. Christian Wiesner und Claudia Schreier schlagen das Konzept des \u201eComputational Thinking\u201c vor. Wie andere auch, haben sie mit den Herausforderungen von sich transversal und holistisch verstehenden Kompetenzrahmen zu k\u00e4mpfen: ihre Abgrenzung und ihr Verh\u00e4ltnis zu anderen Rahmen mit \u00e4hnlichem Anspruch. Auch tendieren digitale Kompetenzrahmen dazu, (demokratische) Haltungen und Werte wenig zu ber\u00fccksichtigen, oder die Bef\u00e4higung der Lernenden, die politisch-(digital)wirtschaftlichen Strukturgebungen der Digitalisierung und des Computings zu reflektieren, zu vernachl\u00e4ssigen. Der informative Beitrag von Gerhard Brandhofer, Marlene Miglbauer, Walter Fikisz, Elke H\u00f6fler und Fraes Kayali besch\u00e4ftigt sich mit dem \u00f6sterreichischen Kompetenzraster digi.kompP f\u00fcr P\u00e4dagog*innen. Digital mediatisierte Lernprozesse fordern immer h\u00e4ufiger vom Bildungspersonal, digital kompetente Entscheidungen \u00fcber Digitalit\u00e4t zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nina Gr\u00fcnberger pl\u00e4diert daf\u00fcr, dass das globale Meta-Thema Klimaschutz ernsthaft aufgegriffen wird. Das k\u00f6nnte man auch f\u00fcr die Digitalisierung selbst als gesellschaftliche Meta-Entwicklung fordern. So liegt die Frage des \u201ewie\u201c auf der Hand: Mehr Umweltbildung beziehungsweise BNE in der P\u00e4dagogik des Digitalen? Oder mehr Umweltp\u00e4dagogik, die das Digitale besser integriert? Sind ggf. neue Rahmenmodelle wie der europ\u00e4ische GreenComp Teil der L\u00f6sung?<\/p>\n\n\n\n<p>Christine Tr\u00fcltzsch-Wijnens Arbeit zu \u201eMedienhandeln Habitus und digitale Kompetenzen\u201c ist eine \u00fcberzeugende und um Klarheit bem\u00fchte \u00dcbertragung des Habitus-Konzepts auf Medienkompetenz (Summe von F\u00e4higkeiten, Fertigkeiten und Wissen) und -performanz (tats\u00e4chliches Medienhandeln). \u201eMedienbezogenen Handlungspraxen einschlie\u00dflich des medienbezogenen Geschmacks wird in Prozessen sozialer Distinktion ein unterschiedlicher \u201aMarktwert\u2018 beigemessen, welcher in verschiedenen sozialen Feldern variiert.\u201c (S. 90) Auf der Grundlage empirischer Forschung (10 bis 30-J\u00e4hrige) wurden \u201eMedienhandlungstypen\u201c entwickelt. Eine bef\u00e4higende P\u00e4dagogik findet hier Hinweise: \u201eAls Ergebnis (\u2026) kristallisierten sich die psychische und k\u00f6rperliche Reife sowie damit verbundene Entwicklungsaufgaben, allt\u00e4gliche Bed\u00fcrfnisse und Herausforderungen der Lebenswelt, der mediale Habitus der Familie und die Vermittlung von kulturellem Kapital durch Medienerziehung sowie die kulturelle Passung und die soziale Distinktion heraus.\u201c (S. 85) Der Beitrag kann eine alltagsnahe medienp\u00e4dagogische Reflexion entlang dieser Typen in Fachkr\u00e4fteausbildungen und in der konkreten medienp\u00e4dagogischen Arbeit bereichern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich subjektorientiert ist auch die Haltung des Beitrags \u201eDigitaler Hausverstand?!\u201c Thomas N\u00e1rosny und Elke Szalai bilden entlang von Interviews aus der Arbeitswelt Personas und versuchen zu erfassen, welche digitalen F\u00e4higkeiten verschiedene Menschen in ihrem Alltag entwickeln, unabh\u00e4ngig davon, was Bildungsforscher*innen meinen, was sie ben\u00f6tigten. So lernen wir, dass etwa die F\u00e4higkeit, anderen den Umgang mit Technik erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, in Bildungskonzepten zu kurz komme oder ein quasi post-digitales Verst\u00e4ndnis vom Digitalen (das Digitale selbstverst\u00e4ndlich in allen beruflichen Kontexten akzeptierend) verbreiteter sei als viele denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Ebner, Philipp Leitner und Markus Ebner sind begeistert von den M\u00f6glichkeiten von Learning Analytics in der Schule. Sie sehen auch Herausforderungen \u2013 im Datenschutz und mangelnder digitaler Kompetenz der Lehrenden. Man m\u00f6chte anf\u00fcgen: Die Forscherinnen im LADi Projekt (Learning Analytics und Diskriminierung) der HTW Berlin zeigen, dass man auch algorithmischen Bias in selbst lernenden Systemen nicht untersch\u00e4tzen sollte. Ob man nun will oder nicht: Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden Menschen algorithmisch bewertenden Systemen ausgesetzt, im Studium etwa oder beim Recruiting. Zudem wird ihre Anwendung in der Breite der Bildung auf europ\u00e4ischer Ebene strategisch gef\u00f6rdert. Umso wichtiger, dass die Sache konstruktiv verhandelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Blockchain-Apologeten sind unter den Autor*innen, die aber keine konkreten Anwendungsszenarien aufzeigen, die uns von den origin\u00e4ren Vorteilen von Blockchains \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine moderne Hochschuldidaktik versuchen vermehrt engagierte Hochschullehrer, etablierte Haltungen und Methoden der non-formalen au\u00dferschulischen Bildung (bisweilen unbewusst) zu \u00fcbertragen. In diesem Band tut dies der Beitrag von Daniel Otto zum digital unterst\u00fctzten Storytelling.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Kerres, Barbara Getto und Josef Buchner beschreiben die Bem\u00fchungen von Hochschulen, sich (digital) zu modernisieren. Geht es hier eigentlich wirklich um Digitalisierung oder ist Digitalisierung nur Katalysator eines an vielen Stellen \u00fcberf\u00e4lligen Neubestimmungsprozesses h\u00f6herer Bildung?<\/p>\n\n\n\n<p>Anmerkungen zur k\u00fcnstlichen Intelligenz als Thema im Schulunterricht: Peter Micheuz zeichnet die Geschichte der k\u00fcnstlichen Intelligenz mit Lust an der Geschichte nach und pl\u00e4diert f\u00fcr die kritische, konstruktive und neugierige Integration des Themas in den Unterricht (meaningful learning). In einer Form die es Sch\u00fclern auch erm\u00f6glicht k\u00fcnstliche Intelligenz zur Probleml\u00f6sung heranzuziehen. Aber warum eigentlich nur im Informatikunterricht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Tr\u00fcltzsch-Wijnen\/Gerhard Brandhofer (Hrsg.): Bildung und Digitalisierung. Auf der Suche nach Kompetenzen und Performanzen. Baden-Baden 2020, Reihe Medienp\u00e4dagogik, Band 4, Nomos, 330 Seiten. 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