{"id":4257,"date":"2024-12-08T00:14:17","date_gmt":"2024-12-07T23:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/civilresilience.net\/de\/?p=4257"},"modified":"2026-02-27T21:13:26","modified_gmt":"2026-02-27T20:13:26","slug":"code-vorurteil-m-adeoso-e-berendsen-l-fischer-d-schnabel-hrsg-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/civilresilience.net\/en\/code-vorurteil-m-adeoso-e-berendsen-l-fischer-d-schnabel-hrsg-rezension\/","title":{"rendered":"Code &#038; Vorurteil &#8211; Adeoso\/Berendsen\/Fischer\/Schnabel (Hrsg.) &#8211; Rezension"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background:linear-gradient(135deg,rgb(254,254,254) 1%,rgb(211,203,228) 100%)\">Marie-Sophie Adeoso\/Eva Berendsen\/Leo Fischer\/Deborah Schnabel (Hrsg.): Code &#038; Vorurteil, Berlin 2024. Erschienen in: <a href=\"https:\/\/fachzeitschrift.adb.de\/review\/marie-sophie-adeoso-eva-berendsen-leo-fischer-deborah-schnabel-hrsg-code-vorurteil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Au\u00dferschulische Bildung \u2013 Zeitschrift der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung<\/a> 04\/2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Je mehr KI in den Mainstream r\u00fcckt, w\u00e4chst das Bewusstsein daf\u00fcr, dass Technologie Auswirkungen auf die Demokratie und unsere demokratische Zukunft hat. Die Aufgabe der politischen Bildung muss hierbei sein, zur Bef\u00e4higung von B\u00fcrger*innen beizutragen, indem sie Technologie und ihre (intendierte) soziale Wirkung zum Gegenstand macht, die Governance des Digitalen in den Fokus nimmt, wie auch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leitbilder, entlang denen sich die Transformation entwickelt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.verbrecherverlag.de\/shop\/code-vorurteil-ueber-kuenstliche-intelligenz-rassismus-und-antisemitismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"990\" src=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web-700x990.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4258\" style=\"width:347px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web-700x990.png 700w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web-283x400.png 283w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web-768x1086.png 768w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web-800x1131.png 800w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/BAF-Codeuvorurteil-Einband-Web.png 835w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Etwas entt\u00e4uschend ist vor diesem Hintergrund, dass die intensiven, anspruchsvollen Debatten und Vorhaben europ\u00e4ischer und nationaler Digitalpolitiken nicht in den \u00fcberwiegend sehr interessanten Beitr\u00e4gen des Sammelbandes Ber\u00fccksichtigung gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Band ist in drei Abschnitte unterteilt: Der erste Abschnitt zu \u201eKI &#038; strukturelle Ungleichheit\u201c stellt grundlegende Fragen. Hier \u00fcberwiegt kundige Skepsis wie \u201eTech ist nicht nutzlos \u2013 aber auch nicht die L\u00f6sung\u201c (Asghari\/Zueger). Geuter argumentiert, \u201ewarum KI-Anwendungen keine Alliierten sein k\u00f6nnen\u201c, beziehungsweise, warum der Big-Data-Ansatz an sich problematisch sei und KI-Systeme strukturell nicht diskriminierungssensibel gestaltet werden k\u00f6nnten. Denn in Modellen werde eine Situation soweit vereinfacht, dass sie \u201ein ein mathematisches Problem \u00fcbersetzt werden kann\u201c (Wulf). Automation BIAS lie\u00dfe uns den (menschengemachten) Modellen zu sehr vertrauen. ChatGPT erzeuge lediglich ein \u201everschwommenes JPG des Internets\u201c (Geuter, Chiang zitierend). Allgemein auf KI bezogen bedeutet dies: Erst wird mit viel Aufwand ein wenig nuanciertes und verzerrtes Bild der Wirklichkeit erzeugt (und wie Wulf hervorhebt: wesentlich durch Daten der Vergangenheit vorbestimmt), auf dessen Basis wom\u00f6glich zu weitreichende Schl\u00fcsse f\u00fcr die Gegenwart und Zukunft gezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Beckers Haltung umrei\u00dft am Beispiel Online-Antisemitismus ein Dilemma: KI und Algorithmen sind Brandbeschleuniger und Ausl\u00f6ser von Hasswellen. Gleichzeitig ben\u00f6tigt man KI f\u00fcr das Monitoring von Onlinehass und zu seiner Eingrenzung und Verfolgung. Wulf f\u00fchrt kenntnisreich in die KI automatisierter Entscheidungssysteme ein. Mundt stellt Fragen an die M\u00f6glichkeit von Kontingenz in einer KI-gepr\u00e4gten Kultur. Bulambo weist darauf hin, dass BIAS und Diskriminierung im Programmierprozess beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Autor*innen des ersten Abschnitts misstrauen einem simplen \u201eSolutionismus\u201c, der soziale Probleme allein durch mehr und \u201ebessere\u201c Technologie l\u00f6sen m\u00f6chte, selbst wenn diese unter den gleichen strukturellen Bedingungen entwickelt wird wie die, die mitverantwortlich f\u00fcr die Probleme ist. Nicht der Sache dienlich w\u00e4re es, diese Einw\u00e4nde mit \u201ef\u00fcr progressive Kreise typische Technikfeindlichkeit\u201c abzutun.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Abschnitt geht es konkreter um KI &#038; (Un)Fake. Die Beitr\u00e4ge wollen \u2013 wenn auch mit Disclaimern versehen \u2013 weitestgehend die Chance in KI betonen. Berendsen weist hingegen darauf hin, dass KI nicht f\u00fcr diejenigen gemacht wurde, die an Graustufen, Zwischent\u00f6nen oder Vielfalt interessiert sind: \u201eEs gibt gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die AfD, auf generative KI bei der Bildproduktion zur \u201aIllustration politischer Meinung\u2018 (Kleinw\u00e4chter) zu setzen: Sie ist einfach anzuwenden. Sie ist kosteng\u00fcnstig. Und im Ergebnis so plakativ, dass die Grenze zum Ressentiment leicht \u00fcberschritten werden kann.\u201c (S. 116)<\/p>\n\n\n\n<p>Baumgartner ist in ihren \u00dcberlegungen zur Bek\u00e4mpfung von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen durch KI interessant, aber normativ unbestimmt. Kilg weist auf die \u201eLiars Dividend\u201c (L\u00fcgendividende) derjenigen hin, die durch falsche Fake-Vorw\u00fcrfe Vorteil aus der Verschmutzung der Infosph\u00e4re ziehen. Schnabel betont die Notwendigkeit eines \u201epostdigitalen\u201c Ansatzes politischer Bildung. Auch ich halte eine postdigitale Perspektive f\u00fcr wesentlich, allerdings verstehe ich darunter gerade eine Haltung, die auf Distanz zu den rhetorischen Figuren des Intelligenten, Revolution\u00e4ren oder Rasanten und zum Begriff KI selbst geht und sich f\u00fcr die politische Relevanz dieser Narrative interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine derartige postdigitale Perspektive k\u00f6nnte auch aktuelle Hologrammvisionen zur Zeitzeugenpr\u00e4sentation und Ideen zur immersiven historisch-politischen Vermittlung mit den \u00e4lteren Diskussionen in Geschichtswissenschaft und historisch-politischer Bildung zum gleichen Thema verkn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Teil des Bandes fasst schlie\u00dflich unter dem Titel \u201eKI &#038; Kontrolle\u201c vier Beitr\u00e4ge zusammen. Ein Interview mit Steyerl f\u00fcgt sich in den skeptischen Sound des ersten Abschnitts. Das Gespr\u00e4ch liest sich als klarer Appell an das L\u00fcften des Schleiers und das systemisch-kritische Denken. Auch Schelenz hebt auf strukturelle Probleme von KI ab, insbesondere die Vorspiegelung von Neutralit\u00e4t, Farbenblindheit, Reproduktion diskriminierender und rassistischer Muster der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel zu wenig Beachtung findet der Inhalt des ideologiekritischen Beitrags von Fischer zu \u201eLong Terminism\u201c und \u201eeffektivem Altruismus\u201c und der verkn\u00fcpften libert\u00e4ren, demokratie- und solidarit\u00e4tszersetzenden Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil \u201edas Internet\u201c auch in Zukunft nicht \u201eMusk\u201c oder \u201ePalo Alto\u201c hei\u00dfen wird, w\u00e4re ein Artikel, der die alternativen techno-intellektuellen Ideen beschreibt, eine gute Erg\u00e4nzung: Etwa, was das diverse und plurale, horizontale und offene Internet-\u00d6kosystem nach wie vor zusammenh\u00e4lt, wie dezentrale und kontrollierbare KI-Szenarien aussehen, wieso Linux weiter existieren wird oder wie der europ\u00e4ische Weg der Digitalisierung begr\u00fcndet wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nils-Eyk Zimmermann<\/strong> ist Referent im Arbeitskreis deutscher Bildungsst\u00e4tten (AdB) f\u00fcr das Projekt politischbilden.de sowie Bildner, Berater und Autor in den Themenfeldern politische Bildung, digitale Transformation, aktive B\u00fcrgerschaft, Zivilgesellschaft in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin 2024<br>Verbrecher Verlag, 232 Seiten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marie-Sophie Adeoso\/Eva Berendsen\/Leo Fischer\/Deborah Schnabel (Hrsg.): Code &#038; Vorurteil, Berlin 2024. 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