{"id":4808,"date":"2022-01-11T15:44:00","date_gmt":"2022-01-11T14:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/civilresilience.net\/de\/?p=4808"},"modified":"2026-02-22T13:26:34","modified_gmt":"2026-02-22T12:26:34","slug":"digitale-kompetenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/civilresilience.net\/en\/digitale-kompetenz\/","title":{"rendered":"Digitale Kompetenz"},"content":{"rendered":"\n<p>Kompetenzrahmen und ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von digitalisierter P\u00e4dagogik und einer P\u00e4dagogik des Digitalen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00f6ffentlicht 2021 auf: <a href=\"https:\/\/politischbilden.de\/material\/digitale_kompetenz\/\">politischbilden.de<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Schl\u00fcsselkompetenzen, relevant f\u00fcr die digitale Transformation, beschreiben ein breites Spektrum von hilfreichen F\u00e4higkeiten im Umgang mit (neuen) Technologien bis hin zu ihrer Anwendung in unterschiedlichen Bereichen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens. Digitale Kompetenz integriert Wissen, praktische Fertigkeiten, Haltungen und die zu Grunde liegenden Werte als Lern- und  Entwicklungsfelder.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Praktiker:innen digitaler Bildung gibt es eine lebhafte Debatte \u00fcber den innovativen Beitrag digitaler Bildung zur P\u00e4dagogik: Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Lernprozesse trotz der Integration neuer und innovativer Technologien wenig innovativ sein. Erinnern Sie sich an all die langweiligen Powerpoint-Nachmittage, die Sie erlebt haben? Andererseits k\u00f6nnen Bildungsprozesse, die ohne Einsatz neuer Technologien gestaltet werden, aufschlussreich, innovativ und hilf- reich f\u00fcr die Lernenden sein. Denken Sie an inspirierende Interaktionen, Lernerfahrungen, Moderator:innen, die Sie getroffen haben, an gute Fragen, \u00fcber die Sie lange nach einem Workshop, einem Seminar oder einer Vorlesung nachgedacht haben, oder an einen interessanten Text.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beispiele zeigen, dass der Einsatz digitaler Technologie oder neuer Medien nicht unbedingt ein Indikator f\u00fcr Innovation ist, doch aber ein Instrument mit Innovationspotenzial, das Bildungsanbieter:innen, Bildner:innen und Lernende zu Neuem bef\u00e4higen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich digital und analog erg\u00e4nzen, bieten sich vielf\u00e4ltige neue M\u00f6glichkeiten: Dinge k\u00f6nnen organisatorisch vereinfacht werden (Absprachen, Terminfindung, Material teilen), bestimmte Bed\u00fcrfnisse lassen sich integrieren (Barrieren verschieben sich), die Welt kann Teil eines Lernraums werden (digitale Museen Besuche am andern Ende der Welt). Zudem erleichtert Digitalit\u00e4t Kooperation und Austausch zwischen verschiedenen Bildungspartner:innen und die Nutzung von Lernerfolgen im lebenslangen Kontext (Dokumentation und Darstellung).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Medien und Technologie Werkzeuge in einem didaktisch gestalteten Prozess sind, dann ist ebenfalls die Frage nach den angestrebten gesellschaftspolitischen Zielen wichtig: Welche Art von Mensch-Technik- oder Mensch-Mensch-Beziehungen wollen wir durch den Einsatz von Technik gestalten? Muu\u00df-Merholz formuliert es wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u2026Kontrolle<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eIn einem Extrem erm\u00f6glicht die Technologie die Kontrolle und Steuerung von Lernprozessen durch den Unterricht (und &#8220;Unterricht&#8221; k\u00f6nnte man sich als Menschen und Programme vorstellen). Die Lernwege sind vordefiniert [\u2026] Daher erm\u00f6glicht die digitale Technologie die Umsetzung einer behavioristischen Didaktik.\u201c (Muu\u00df-Meerholz, 2013)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u2026 oder Empowerment?<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eIm anderen Extrem liegt die Technologie in den H\u00e4nden der Lernenden, die dank des Digitalen ein Empowerment erfahren. [\u2026] Die Lernenden folgen keinem Lernweg, sie gestalten ihn selbst. Kein Wunder, dass Konstruktivisten in einer digitalen Ver\u00e4nderung das gr\u00f6\u00dfte Potenzial f\u00fcr das Lernen als einen aktiven, selbst gestalteten, kreativen und sozialen Prozess sehen.\u201c (Muu\u00df-Meerholz, 2013)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die soziale Wirklichkeit befindet sich zwischen diesen Extremen. Das Ideal des Empowerment zeigt, dass digitale Fach- und Medienkompetenz f\u00fcr selbstverantwortliche aktive B\u00fcrger:innen f\u00f6rderlich sein kann. Unter diesem Blickwinkel ist der Erwerb digitaler Kompetenzen ebenso wichtig wie die F\u00e4higkeit, sich an gesellschaftlichen Prozessen und Entscheidungen zu beteiligen, proaktiv zu handeln und Initi- ative zu zeigen. Insbesondere scheinen digitale Kompetenzen F\u00e4higkeiten zu sein, Informationstechnologie und Medien zu nutzen, und diese f\u00fcr das pers\u00f6nliche Engagement und die pers\u00f6nliche Entwicklung sinnvoll anzuwenden. Obwohl digitale Kompetenzen oft unter dem Fokus der technologischen Aspekte in Bezug auf den Umgang mit Medien dis- kutiert werden, sieht moderne Medienp\u00e4dagogik, dass die Verf\u00fcg- barkeit von Technologie faktisch die F\u00e4higkeit der Menschen erh\u00f6ht, durch aktive Nutzung von Medien, Eigentum an ihnen zu erlangen, sie werden auch selbst zu Produzent:innen und Verbreiter:innen von Werken und Botschaften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">DigComp \u2013 ein Kompetenzrahmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch der 2017 aktualisierte digitale Kompetenzrahmen DigComp 2.1 der Europ\u00e4ischen Kommission (2021 in Aktualisierung) betont diese aktive Komponente bei der Definition digitaler Kompetenzen. Er ist nach wie vor durch eine klassische technische Perspektive auf digitale Kompetenz gekennzeichnet, z.B. Umgang mit Daten, Interaktion durch digitale Technologien oder Wissen \u00fcber Schutz und Urheberrechte. Gleichzeitig tritt aber eine kompetenzzentrierte Perspektive in den Vordergrund, die versucht, die sozialen und politischen Ziele der Bildung einzubeziehen: Bef\u00e4higung zu aktiver B\u00fcrger:innenschaft, erfolgreiche berufliche Entwicklung und Ein\u00fcben einer demokratischen, verantwortungsvollen Haltung als Nutzer:innen und Produzent:innen von Wissen (vgl. Quelle). In der Strategie der Kultusministerkonferenz Bildung in der digitalen Welt legen die Kultusminister:innen unter anderem einen eigenen digitalen Kompetenzrahmen auf, inspiriert von DigComp (siehe unten) (Sekretariat der Kulturministerkonferenz, 2017). Auch die Bundesl\u00e4nder wurden auf dieser Grundlage t\u00e4tig und entwickelten ihre Kompetenzrahmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>DIGCOMP 2.1 <\/td><td>KMK<\/td><\/tr><tr><td><strong>Umgang mit Informationen und Daten<\/strong><br>1.1 Durchsuchen, Suchen und Filtern von Daten, Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren<br>1.2 Auswertung von Daten, Informationen und digitalen Inhalten <br>1.3 Verwaltung von Daten, Informationen und digitalen Inhalten<br><br><\/td><td><br><strong>Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren<\/strong><br>1.1 Suchen und Filtern<br>1.2 Auswerten und Bewerten<br>1.3 Speichern und Abrufen<br><br><\/td><\/tr><tr><td><strong>Kommunikation, Zusammenarbeit <\/strong><br>2.1 Interaktion durch digitale Technologien<br>2.2 Teilen durch digitale Technologien<br>2.3 B\u00fcrgerschaftliches Engagement durch digitale Technologien<br>2.4 Zusammenarbeit durch digitale Technologien<br>2.5 Netiquette<br>2.6 Verwaltung der digitalen Identit\u00e4t<br><\/td><td><strong>Kommunizieren und Kooperieren<\/strong><br>2.1 Interagieren<br>2.2 Teilen<br>2.3 Zusammenarbeiten<br>2.4 Umgangsregeln kennen und einhalten (Netiquette)<br>2.5 An der Gesellschaft aktiv teilhaben<\/td><\/tr><tr><td><strong>Digitale Inhalte erstellen<\/strong><br>3.1 Entwicklung von Inhalten<br>3.2 Integration und Neubearbeitung digitaler Inhalte<br>3.3 Urheberrecht und Lizenzen<br>3.4 Programmierung<\/td><td><strong>Produzieren und Pr\u00e4sentieren<\/strong><br>3.1 Entwickeln und Produzieren<br>3.2 Weiterverarbeiten und Integrieren<br>3.3 Rechtliche Vorgaben beachten<\/td><\/tr><tr><td><strong>Sicherheit<\/strong><br>4.1 Ger\u00e4te sch\u00fctzen<br>4.2 Schutz pers\u00f6nlicher Daten und der Privatsph\u00e4re<br>4.3 Schutz von Gesundheit und Wohlbefinden<br>4.4 Schutz der Umwelt<\/td><td><strong>Sch\u00fctzen und sicher Agieren <\/strong><br>4.1 Sicher in digitalen Umgebungen agieren <br>4.2 Pers\u00f6nliche Daten und Privatsph\u00e4re sch\u00fctzen <br>4.3 Gesundheit sch\u00fctzen <br>4.4 Natur und Umwelt sch\u00fctzen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Problem l\u00f6sen<\/strong><br>5.1 L\u00f6sung technischer Probleme<br>5.2 Identifizierung von Bed\u00fcrfnissen und technischen Antworten<br>5.3 Digitale Technologie kreativ nutzen<br>5.4 Identifizieren digitaler Kompetenzl\u00fccken<\/td><td><strong>Probleml\u00f6sen und Handeln<\/strong><br>5.1 Technische Probleme l\u00f6sen<br>5.2 Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen<br>5.3 Eigene Defizite ermitteln und nach L\u00f6sungen suchen<br>5.4 Digitale Werkzeuge &#038; Medien zum Lernen, Arbeiten und Probleml\u00f6sen nutzen<br>5.5 Algorithmen erkennen und formulieren<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><strong>Analysieren und Reflektieren<\/strong><br>6.1 Medien analysieren und bewerten<br>6.2 Medien in der digitalen Welt verstehen und reflektieren<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leerstellen und Herausforderungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit fortschreitender Digitalisierung der Gesellschaft wird deutlicher, dass nicht nur die Informationssph\u00e4re einer \u201ePlattformisierung\u201c unterzogen wurde, sondern auch die Art, Arbeit und Dienstleistungen zu organisieren oder Infrastrukturen zu verwalten. Zudem spielt die Datafizierung, die Gewinnung von Daten aus Interaktionen und die Gewinnung von Mehrwert aus ihnen, eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle in allen Lebensbereichen, ob am eigenen K\u00f6rper, in den eigenen vier W\u00e4nden, im Beruf oder in der \u00d6ffentlichkeit. So gewinnen auch in den Kompetenzmodellen diese Aspekte mehr Bedeutung (u. a. als Wissen \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz oder Datenkompetenz formuliert).<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Diskussionen kreisen um rechtliche Fragen und um Bem\u00fchungen, Grundrechte und demokratische Prinzipien auf die digitale Sph\u00e4re auszudehnen, beziehungsweise ihnen in dieser konsequent Geltung zu verschaffen. Im Zusammenhang mit Biometrie, Prothetik oder Automatisierung kommen Aspekte der Inklusivit\u00e4t, Nicht-Diskriminierung, Sicherheit, digitale Normen, \u00dcberwachung und menschlichen Autonomie als Themen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuletzt wird unter dem Stichpunkt Plattformregulierung wettbewerbs- und technologiepolitisch debattiert, welche Form der digitalen Wirtschaft gesellschaftlich erw\u00fcnscht ist und wie das zuk\u00fcnftige Internet in seiner Mischung aus dominanten digital\u00f6konomischen Playern und dezentralen Akteuren als \u00d6kosystem ausgebaut werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch globale Fragen spielen hierbei eine Rolle \u2013 Rohstoffe, Wertsch\u00f6pfungsketten, Energiebedarf, Zugang und Macht. In anderen Worten \u2013<strong> Lernen \u00fcber die digitale Transformation<\/strong> und ihre sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen und Wirkungen gewinnt in allen Lernkontexten und unter einer Lebenslanges Lernen-Perspektive an Bedeutung. Diese stark vom Interesse politischer Bildung gepr\u00e4gte Perspektive auf digitale Kompetenz sollte sich st\u00e4rker in den Kompetenzrahmen und in Lernangeboten zur St\u00e4rkung digitaler Kompetenz wiederfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nutzen von Kompetenzrahmen in der au\u00dferschulischen politischen Bildung<\/h2>\n\n\n\n<p>Nun wurden die Kompetenzrahmen einerseits im Rahmen eines Konzepts des lebenslangen Lernens entwickelt, das alle Lernr\u00e4ume und Lerngelegenheiten ausdr\u00fccklich einschlie\u00dfen soll. Andererseits wird die Arbeit mit Kompetenzrahmen besonders in der formalen Bildung systematisch vorangetrieben, was oftmals die Eigenlogik und Qualit\u00e4tsstandards au\u00dferschulischer Bildung vernachl\u00e4ssigt, und zum R\u00fcckschluss f\u00fchrt, dass Kompetenzrahmen an sich Instrumente der formalen Bildung seien. Jedoch legt die Vorstellung lebenslangen Lernens nahe, dass au\u00dferschulisches, selbstgesteuertes, informelles und formales Lernen als ineinandergreifende Elemente zu betrachten sind, als sich erg\u00e4nzende Elemente und Lerngelegenheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kompetenzrahmen haben in diesem Sinne nicht den Zweck, in einem dieser Felder umgesetzt zu werden, sondern bieten einen intellektuellen Rahmen, der einzelnen Feldern und Bildungsanbieter:innen die M\u00f6glichkeit bietet, das einzelne Lernangebot am Ganzen auszurichten. In diesem Sinne tragen sie zu einem systematischeren Verst\u00e4ndnis und zur Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Kompetenzen haben einen Querschnittscharakter, weil sie in vielen verschiedenen Situationen n\u00fctzlich sind. Zum Beispiel hilft die F\u00e4higkeit, technische Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, auch bei analogen Problem. Ein Konzept schreiben zu k\u00f6nnen, ist sowohl im Job als auch im gesellschaftlichen Engagement n\u00fctzlich. Politische Urteilsf\u00e4higkeit und Beteiligungsf\u00e4higkeit hilft auch bei der Bewertung von Vorhaben in beruflichen und privaten Kontexten und dabei, sich proaktiv an der L\u00f6sung von Herausforderungen zu beteiligen. F\u00e4higkeiten im Umgang mit digitaler Technologie werden selbstlernend, im beruflichen Umfeld oder im gesellschaftlichen Engagement erworben. Diese transversale Perspektive wird besonders im Kontext der digitalen Transformation sichtbar. So, wie die EU mit den Schl\u00fcsselkompetenzen f\u00fcr lebenslanges Lernen (EU, 2018), begreift auch die OECD den Erwerb von digitaler Kompetenz als Teil einer transformativen Kompetenz &#8211; dem Wissen, den Fertigkeiten und Haltungen die notwendig sind, um sich in einer Phase gesellschaftlicher Transformation zu bewegen und diese mitzupr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne helfen Kompetenzrahmen, digitale Kompetenz ganzheitlicher zu verstehen, damit Einzelne besonders in offenen, fluiden gesellschaftlichen Situationen einen Beitrag zur Schaffung neuen (sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen) Werts leisten k\u00f6nnen, sie Spannungen und Dilemmas bew\u00e4ltigen sowie Verantwortung annehmen k\u00f6nnen (OECD, 2019).<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Kompetenzrahmen kann alle sozialen Rollen, Lernkontexte und Bed\u00fcrfnisse ad\u00e4quat abbilden. Die Rahmen dr\u00fccken letztlich eine Schwerpunktsetzung ihrer Auftraggeber:innen und Autor:innen aus, wenngleich sie sich darum bem\u00fchen, ihre eigenen Ziele holistischer zu verstehen und zu definieren, als dies ist in traditionellen Curricula der Fall. In der Praxis m\u00fcssen P\u00e4dagog*innen Bestandteile aus verschiedenen Kompetenzrahmen und Lehrpl\u00e4nen zusammenf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie m\u00fcssen verstehen, wie sich Kompetenzen erg\u00e4nzen und auch miteinander in Spannung stehen. Rahmenwerke helfen aber bei Bestandsaufnahmen und bei Planungen, weil sie ihren spezifischen Charakter deutlicher machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung, die kompetenzzentriertes Lernen kontextunabh\u00e4ngig erm\u00f6glichen kann, ist eine Verschiebung des p\u00e4dagogischen Fokus zu den Bed\u00fcrfnissen und F\u00e4higkeiten der Lernenden. Die Fragen, die sich aus einer solchen \u2013 der au\u00dferschulischen Bildung nahestehenden &#8211; ressourcenorientierten Perspektive ergeben, sind:<\/p>\n\n\n\n<p>Was genau machen Lernende gut (anstatt zuerst auf ihre Defizite zu schauen)? Wo genau sehen sie Potenzial oder Verbesserungsbedarfe und was hilft ihnen, diese zu identifizieren? Anstatt dar\u00fcber nachzudenken \u201ewelche Elemente muss ich vermitteln oder unterrichten?\u201c verschiebt sich zudem die Frage in Richtung: &#8220;Was sollten oder wollen Lernende danach k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kompetenzzentrierte Beschreibung von Zielen und Ergebnissen hilft Lehrenden und Lernenden ein Verst\u00e4ndnis von Lernprozessen zu entwickeln. Sie erm\u00f6glicht eine offenere Gestaltung und Begleitung von Vermittelnden und Lernenden Entwicklungsschritte (selbst) zu planen. Gelerntes kann mit einem Fokus auf Kompetenzbeschreibungen verst\u00e4ndlicher erfasst und beschrieben werden. Mehr als Standardzertifikate oder Teilnahmebescheinigungen kann es dabei helfen ein realistisches und nutzbares Bild der Kompetenzen einer lernenden Person zu entwickeln. In der au\u00dferschulischen Praxis gibt es hierbei beispielsweise mit dem Kompetenznachweis Kultur, dem Kompetenznachweis International, oder dem Youth Pass vielfach erprobte Systematiken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Den Blick auf Digitalisierung erweitern<\/h2>\n\n\n\n<p>Digitalisierung ist ein fortschreitender Prozess mit offenem Ende. Unsere demokratischen Gesellschaften m\u00fcssen sich in vielerlei Hinsicht daran anpassen und ihre spezifischen Umg\u00e4nge in einem Lernen f\u00fcr Digitalisierung finden. Politische Bildung zielt oft auf die Integration von digitalen Elementen in die Bildung ab (<strong>Lernen durch Digitalisierung<\/strong>), i. S. einer die digitalen Alltagserfahrungen (junger) Menschen aufgreifenden P\u00e4dagogik. In einem weiteren Schritt geht es auch verst\u00e4rkt darum, die Ausgestaltung der digitalen Transformation und ihrer sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wirkungen in den Blick zu nehmen: Politische Bildung \u00fcber digitale Transformation. Besonders die politische Bildung ist in der Lage, die Leerstellen der Kompetenzmodelle f\u00fcr digitale Kompetenzen hinsichtlich dieses Aspekts und der Demokratieperspektive f\u00fcllen. Des Weiteren stellt sich auch die Frage der digitalen Kompetenz bezogen auf die professionelle Ebene: Digitale F\u00e4higkeiten und Wissen \u00fcber die digitale Transformation in Bildungsinstitutionen und bei Bildner:innen. Der Professionalisierungsdruck nimmt in dieser Hin- sicht zu, da sich der Alltag rasant digitalisiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ethische Entscheidungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Bildungseinrichtungen m\u00fcssen sich wie auch die Lernenden selbst zunehmend der Herausforderung stellen, bewusste Entscheidungen f\u00fcr digitale Technologie zu treffen, die nicht nur vordergr\u00fcndig ihren technischen Zweck erf\u00fcllen, sondern auch die Werte und Haltungen der Bildungsanbieter:innen widerspiegeln und exemplarisch f\u00fcr eine<br>Richtung der digitalen Entwicklung stehen, die man anstrebt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellenverzeichnis\/Weiterlesen:<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Carretero, Stephanie; Vuorikari, Riina; Punie, Yves (2017). DigComp 2.1: The Digital Competence Framework for Citizens with eight proficiency levels and examples of use, EUR 28558 EN. https:\/\/doi.org\/10.2760\/836968 <\/li>\n\n\n\n<li>EU (2018). Empfehlung des Rates vom 22. Mai 2018 zu Schl\u00fcsselkompetenzen f\u00fcr lebenslanges Lernen (Text von Bedeutung f\u00fcr den EWR.) ST\/9009\/2018\/INIT, OJ C 189, 4.6.2018, p. 1\u201313.<\/li>\n\n\n\n<li>Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2016): Bildung in der digitalen Welt Strategie der Kultusministerkonferenz. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 08.12.2016 i. d. Fassg. v. 07.12.2017. Berlin, 2016.<\/li>\n\n\n\n<li>Medienkompetenzrahmen NRW<\/li>\n\n\n\n<li>Muu\u00df-Merholz, J\u00f6ran (2013). Es gibt keine digitale Didaktik. Erstver\u00f6ffentlichung auf: werkstatt.bpb.de<\/li>\n\n\n\n<li>OECD (2019): Transformative Competencies for 2030. Conceptual Framework. Future of Education and Skills 2030, Paris<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/politischbilden.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"379\" src=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_-700x379.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2336\" srcset=\"https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_-700x379.png 700w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_-400x217.png 400w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_-768x416.png 768w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_-800x433.png 800w, https:\/\/civilresilience.net\/wp-content\/uploads\/politischbilden.de_.png 1324w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><figcaption>Ver\u00f6ffentlicht bei <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/politischbilden.de\/\" target=\"_blank\">Politischbilden.de<\/a> unter einer Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International Public License (CC BY-SA 4.0).<\/figcaption><\/figure>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kompetenzrahmen und ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von digitalisierter P\u00e4dagogik und einer P\u00e4dagogik des Digitalen. 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