Beitrag: Digital Youth Work im Journal für politische Bildung 1/26

Digitale Transformation und Digitalität prägen unsere Gesellschaften und sind zugleich zentraler Bestandteil aktueller Gesellschaftsdiagnosen. Europa bildet hierbei einen zentralen Bezugsrahmen, in dem digitale Politik ausgehandelt und reguliert wird. Doch inwiefern werden das Politische der Digitalisierung und europäische Digitalpolitik bereits in der politischen Bildung aufgegriffen? Das europäische Kooperationsprojekt Digital Youth Work untersucht hierzu zentrale Felder der Digitalität in Europa und bereitet sie für die politische Bildung auf, auch um von der Diagnose ins Handeln zu gelangen.

Mit dem Anspruch, Gesellschaft(en) gestaltende Handlungskompetenz zu vermitteln und diese anzuregen, sind wir in der politischen Bildung gefragt, das Digitale, das unsere Gesellschaften verändert, als Bildungsrealität aufzugreifen, zu beschreiben und zu durchdringen. Der Diskurs um Digitalisierung ist aufgeladen. Allgegenwärtig ist das Narrativ der Digitalität als politisches und technologisches Heilsversprechen: Mehr Digitalisierung würde den Staat wieder näher an seine Bürger*innen bringen. Dies bedeute eine größere Nachhaltigkeit und endlich (wieder) wachsenden Wohlstand etc. Dabei ist es unerheblich, welche Digitalisierung wir meinen. Die Devise lauter „mehr davon“ – weniger hingegen würde Krisen produzieren.

Dem steht schablonenhaft eine Dystopie gegenüber: Digitalisierung als eminent größerer Ressourcenverbrauch, als umfassende Beschleunigung und Entgrenzung aller Lebensbereiche, als Treiber gesellschaftspolitischer Fraktionierung, Polarisierung und massiver ökonomischer Ungleichheit. KI als Endgegner der Aufklärung.

Mehr Reflexivität

Digitaler Wandel, verstanden als Gegenstand und Projektionsfläche gesellschaftspolitischer Transformation, lässt sich treffend mit dem von Ulrich Beck geprägten Begriff des Fahrstuhleffekts beschreiben. Unklar ist jedoch: bewegt sich der Fahrstuhl nach oben oder nach unten? Beck können wir auch zur Haltung gegenüber Fortschritt heranziehen. Denn in Bildsprache und Haltung gibt es im Digitalkontext noch die abenteuerliche Welt der Kolonisatoren-Entdecker, die wir heute ansonsten ziemlich kritisch sehen. Digitalisierung wird von vielen als Gegenargument zu Überlegungen ins Feld geführt, die in Richtung einer von Beck beschriebenen reflexiven Moderne weisen:

Pirker, G.; Zimmermann, N. (2026). Digital Youth Work und die Herausforderung, Digitalität als Gegenstand zeitgenössischer Gesellschaftsdiagnosen zu fassen. In Journal für politische Bildung 1/2026, Gesellschaftsdiagnosen. Bundesausschuss Politische Bildung, Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main.